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Rundfahrt Albstadt


Von links: Lila Trikots: E. Fennel, L. Klein; Führungstrikots: Anna Knauer (Team Mangertseder Bayern), Jutta STIENEN  (Swiss Cycling Nationalteam), Hanka Kupfernagel  (Rusvelo Women), B. Zanner (Team "maxx-Solar/Frauen)

Etappenrennen

1. Etappe

Zugegeben – etwas nervös war ich am Freitag vor dem Start schon. Nach vier Wochen, in denen ich mich fast ausschließlich auf die Bahn konzentriert habe, wusste ich nicht, wo ich im Vergleich zu den anderen auf der Straße stehe. Doch die Bedenken verschwanden während des Rennens, als meine Gegnerinnen immer lauter atmeten und erschöpft wirkten, während ich noch relativ locker meine Runden auf dem 1-Kilometer-Rundkurs drehte. Das bestätigte sich dann auch im Finale, als ich noch den klaren Kopf hatte und die perfekte Ausgangsposition für die nur 100 Meter lange Zielgerade einnahm. So sicherte ich mir souverän vor Lisa Klein und der Österreicherin Marlene Schilling den ersten Etappensieg und gleichzeitig das weiße Führungstrikot der Juniorinnen.

2. Etappe
Nach der Streckenbesichtigung mit dem Auto war der Respekt vor dieser Etappe ebenfalls groß. Vor allem auch, weil ich noch die Strecke des vergangenen Jahres im Kopf hatte und mich auf ähnliche Strapazen einstellte. Allerdings ließen die Frauen den Tag entgegen den Erwartungen ziemlich ruhig angehen und so gab es erst in der vierten Runde die erste Tempoverschärfung am Berg. Das Feld hatte sich trotzdem schon vorher in viele Gruppen zerteilt, weil die sehr technische Abfahrt bei teilweise starkem Regen- und Graupelschauern einige Mädls an ihre Grenzen brachte.

So waren bei der Einfahrt in die letzte Runde nur noch meine Teamkollegin Gudrun Stock, Astrid Gaßner, Lisa Klein und ich in der Spitzengruppe der Frauen vertreten. Durch die Bergwertung der Frauen konnten Gudrun und ich uns von unseren zwei Gegnerinnen zwar absetzen, aber diese konnten mit Hilfe der ebenfalls zurückgefallenen Frauen wieder Anschluss an die Spitze finden. Da auch am Samstag die Zielgerade nur 100 Meter lang war und direkt im Anschluss an die lange Abfahrt lag, mussten Gudrun und ich uns überlegen, wie wir den Etappensieg ins Team holen konnten. So beschlossen wir, dass Gudrun als erste in die Abfahrt gehen sollte und ich ihr ein bisschen Vorsprung verschaffe, damit sie den Sprint von vorne gewinnen kann. Mir blieb letztendlich der dritte Platz, weil ich aus Angst, Gudrun doch noch den Sieg wegzuschnappen verschlafen hatte, dass Lisa sich auf den letzten Metern noch an mir vorbeigeschieben konnte. Trotzdem jubelte ich für Gudrun und konnte mich darüber freuen, das weiße Trikot weiterhin tragen zu dürfen.

3. Etappe
Nur zwei Sekunden Vorsprung und eine komplett flache Schlussetappe – das sind nicht unbedingt die Voraussetzungen, die ich mir für das Ende einer Rundfahrt wünsche. Trotzdem ging ich mit genug Ehrgeiz an die Startlinie, weil ich die Rundfahrt unbedingt gewinnen wollte. Nach ca. einem Viertel der Strecke sah es sogar danach aus, dass ich mit allen Trikotträgerinnen der Frauen in einer fünfköpfigen Spitzengruppe das Rennen bestimmen konnte. Dieser Ausreißversuch war aber leider zum Scheitern verurteilt, weil gerade die Bundesligaführende, Esther Fennel, den Anschluss verpasst hatte und damit das Loch vom gesamten Team Koga Ladies wieder geschlossen wurde.

In der zehnten von insgesamt 20 Runden hatte ich sogar nochmal vor, selbst eine Attacke zustarten. Doch 1000 Meter vor der Zieldurchfahrt wurde dieses Vorhaben schlagartig verhindert. Als ich am Hinterrad von Hanka Kupfernagel am Feld vorbei nach vorne fahren wollte, verteilte eine direkte Konkurrentin eine Welle, dass ich auf die abgesperrte andere Straßenseite ausweichen musste und mit dem Lenker eine große Pylone so traf, dass mein Schalthebel kaputt ging. Hinter mir stürzten einige Fahrerinnen. Ich musste danach auf das Ersatzrad wechseln und den Anschluss an die Spitze alleine wieder herstellen. Nach zwei Runden auf dem Ersatzrad hatte ich aber bereits Probleme in den Oberschenkeln und im Rücken, dass ich das Rad erneut wechseln musste. Das war nur möglich, weil mein Vater den Schaden innerhalb der kurzen Zeit wieder so repariert hatte, dass ich das Rennen auf meinem Rad fortsetzen konnte. Bei diesem Wechsel verlor ich dann aber wieder so viel Zeit, dass ich den Rückstand, obwohl ich zwei Runden absolut am Anschlag fuhr, nicht mehr schließen konnte. Irgendwann fand ich mich dann in einer kleinen Verfolgergruppe wieder und musste langsam aber sicher die Folgen meiner vergeblichen Aufholjagd spüren. Denn nicht nur meine Beine machten sich mit Schmerzen bemerkbar, auch mein Magen demonstrierte plötzlich. Hier ein großes Dankeschön an eine meiner zwei Begleiterinnen, Liv Bachmann vom Stevens-1A-Crossteam, die sich schon fast mütterlich um mich gekümmert hat und mich immer wieder ermuntert hat, doch noch eine weitere Runde dabeizubleiben. Als dann aber der Rückstand immer größer wurde und keine Möglichkeit mehr da war, wieder näher heranzukommen, entschied ich mich, sehr enttäuscht, das Rennen zu beenden. Ein Ausstieg ist für keinen Sportler leicht, aber ich habe davor alles gegeben und war zu diesem Zeitpunkt nicht nur körperlich, sondern auch emotional an meine Grenzen gekommen.

Positiver Abschluss der Rundfahrt war der Gewinn der Mannschaftswertung – diese gemeinsame Stärke und Freude über das Erreichte ist Motivation genug und hilft über persönliche Enttäuschungen hinweg.