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Tour Cycliste Féminin International de l´Ardeche


Prolog

Nach sehr langer Anreise über zwei Tage, noch am Abend den Prolog - Einzelzeitfahren - auf einer kleinen Startrunde. 28 Mannschaften mit 152 Teilnehmerinnen kämpfen hier um Sekunden und Punkte. Das erste Mal bei den Frauen eine Rundfahrt bestreiten und sich mit den Besten messen ist schon aufregend.

Beim Prolog hatte ich das Gefühl, dass meine Beine erst auf den letzten 500 m „aufgemacht“ haben. Meine Zeit konnte ich im Ziel gar nicht einschätzen. Dass ich aber nur 1,7 Sekunden hinter Charlotte Becker, Team Wiggle Honda, einer der aktuell besten deutschen Profis, ins Ziel kam, war eine große Genugtuung. Mit Platz 33 kann ich ganz zufrieden sein.


1. Etappe: Schmerzhafte Erfahrungen

Die erste Etappe der Tour mit 125 km war nicht so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Bereits nach 30 km hatte ich Probleme, kämpfte mich bis Kilometer 60 durch und fiel dann doch mit meiner Mannschaftskollegin Gudrun Stock aus dem Hauptfeld. Fünfundfünfzig lange Kilometer kämpften wir mit einer weiteren Fahrerin und wurden dann doch vom Grupetto geschluckt. Mit 15 Minuten Rückstand auf die Spitze erreichten wir das Ziel und mussten gemeinsam erkennen, dass die Voraussetzungen hier ungewohnt sind.

Im Hauptfeld ist es enger, schneller und ich bin total angespannt gewesen. Ich fand nicht zu der gewohnten Lockerheit. Jetzt geht es erst einmal ums Bestehen, gesund ins Ziel zu kommen und den dritten Tag zu überstehen, der bereits um 05:15 Uhr beginnt, da ich bereits um 08:44 Uhr wieder am Start stehen muss.

Die Platzierung des heutigen Tages werde ich morgen erfahren, aber die ist jetzt nicht mehr wichtig. Für mich ist der Trainingseffekt entscheidend und die Ziele, auf die ich in diesem Jahr noch hin arbeite.


2. Etappe: 3,5 Kilometer Bergzeitfahren

Sehr bald aufstehen und richtig früh ins Rennen – wieder etwas Neues. Schon die Entscheidung, welches Rad das bessere ist. Ich habe mich wegen des Streckenprofiles für das Straßenrad entschieden. Die Renntaktik beschränkte sich darauf, bis zum Scheitelpunkt Vollgas zu gehen und dann zu hoffen, dass es bergab bis zum Ziel noch reicht. Leider sind die Kräfte bereits vor erreichen des höchsten Punktes ausgegangen, sodass sich der Weg zum Ziel schwieriger gestaltete, als ich vorher geplant hatte. Trotzdem Kopf hoch und Konzentration auf das Straßenrennen heute Nachmittag.


3. Etappe: 77,4 km von Vals über Les Bains nach Le Teil

Ich merke schon, dass ich wieder kämpfen muss um dran zu bleiben. Bis Kilometer 20 nur bergauf. Volllast fahren und dann doch erkennen, dass es heute wieder nicht reichen wird. Ich habe es heute vom Start weg wenigstens auf der schwierigen, mit heftigen Steigungen durchsetzten Strecke versucht. Ich bin wieder aus dem Hauptfeld raus gefallen und konnte dann auch das Tempo meiner Teamkameradinnen, als die mich überholten, nicht mitgehen. Wie gestern wieder im Grupetto Richtung Ziel. Mein gereizter Magen meldet sich heute wieder. Ich geh jetzt dann ins Bett und hoffe, dass es morgen Früh besser ist.
 
Trotzdem gab es für mich heute noch ein Highlight: Die abschließende, crosstaugliche Abfahrt war Spaß pur. Zusammen mit der Dänin Christina Siggaard bin ich da mit Risiko und Freude runter geheizt. So hat der Tag mit dem für mich nicht zufriedenstellenden Ergebnis noch eine Entschädigung bekommen.


4. Etappe ..... und die nicht ganz

Ich fühle mich total schlapp. Wieder ums Überleben kämpfen, vielleicht sogar die Form für die WM kaputt machen. Ich will doch eigentlich die Tour zu Ende fahren, aufgeben ist nicht mein Ding. Ich habe mich im Vorfeld der Etappe mit den Betreuern unterhalten. Die meinen, dass ich fahren soll, wenn ich allerdings merke, dass nichts mehr geht, dann zumindest bis zur Verpflegung bei km 56. Nach akzeptablem Beginn war ich zuversichtlich wieder ins Rennen zu kommen. Der erste Berg hat mir dann wieder die Grenzen aufgezeigt. SMS an meinen Papa: "Bin jetzt raus. Macht keinen Sinn mehr. Bin einfach leer." Die habe ich nach dem Ausstieg an der Verpflegungsstation geschrieben. Das war´s mit meiner ersten großen Rundfahrt.
 
Jetzt ist aktive Regeneration angesagt. Rad fahren, im kleinen Gang, Beine bewegen. Nebenbei, wir sind Selbstverpfleger, die "Hütte" ein wenig aufräumen. Damit letzte Grüße aus Frankreich - bis demnächst.
 
Wer die Tage mitverfolgt hat, kann mir ja eine kleine Rückmeldung zukommen lassen, ob es interessant ist, wie ich meine Tage verbringe.