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WM Bahn 2013

in Glasgow


Siegerehrung (Foto: Mark McGhee)

Presse

Donaukurier: „WM-Titel für Anna Knauer“

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rad-net: „Bahn-WM: Anna Knauer holt Gold im Omnium der Juniorinnen“

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„Ich bin Weltmeisterin!"

Ich hab’s geschafft – ich bin Weltmeisterin! 
Schön langsam wird mir bewusst, was das heißt. Doch bis die Spannung komplett abfällt, dauert es bestimmt noch ein bisschen. 
Bis ich auf das Treppchen mit der Nummer 1 steigen durfte, wartete allerdings ein ganzes Stück Arbeit auf mich - und zwar nicht nur körperlich, sondern v.a. auch emotional.

Einerverfolgung (Foto: John Hewat)

Ich war wahrscheinlich die Einzige oder eine von ganz wenigen Juniorinnen, die von Donnerstag bis Sonntag ununterbrochen an verschiedenen Wettkämpfen teilgenommen hatten. Die Wettkämpfe begannen für mich ja wie schon berichtet mit der Mannschaftsverfolgung und einem in dieser Disziplin sehr zufriedenstellenden fünften Platz.

Doch schon am nächsten Tag erlebte ich die Enttäuschung dieser Weltmeisterschaft – ein erneut fünfter Platz. Diesmal war er aber ganz und gar nicht zufriedenstellend, weil ich mich in der Einerverfolgung eigentlich auf eine Medaille eingestellt hatte und mit 1,3 Sekunden Rückstand auf Platz 1 sogar sehr nahe an der sicheren Medaille war. Auf den ersten Blick scheinen auch die gefahrenen Zeiten nicht überragend zu sein. Doch bereits unter uns Athleten hatte sich die Meinung verbreitet, dass die Bahn nicht so schnell war wie die in Anadia (Portugal) oder die in Moskau. An den Werten, die mit meiner Kurbel gemessen werden, konnte man ablesen, dass ich auf den 2000 Metern in Glasgow bei einer Zeit von 2:29 min  die gleiche Kraft aufs Pedal gebracht habe wie letztes Jahr in Portugal bei einer 2:26 min. Das zeigt, dass in diesem Jahr die Leistungsdichte enorm hoch war und auf einer schnellen Bahn über zehn Mädchen unter 2:30 min gefahren wären. Auch wegen dieser Information und v.a. wegen der aufbauenden Worte meiner Familie, Freunde und Trainer konnte ich die Enttäuschung in Energie umwandeln und nahm mir vor, an den beiden folgenden Tagen im Omnium einfach 180% zu geben um mir selbst den Traum einer Medaille doch noch zu erfüllen.


Zum Auftakt ein Paukenschlag

Omnium (Foto: John Hewat)

Diesen Vorsatz umgesetzt, begann ich den abschließenden Wettkampf gleich mit einem Paukenschlag: Als einzige Starterin schaffte ich es, die fliegende Runde (250 m) in unter 15 Sekunden zu bewältigen. Das war Bestzeit und gleichzeitig neue persönliche Bestleistung, weil es auch für mich das erste Mal war, dass ich eine 14 vor dem Komma stehen hatte. 
Die Hoffnung auf ein langsames Punktefahren erfüllte sich leider nicht und ich musste, auch weil ich einen zu kleinen Gang gewählt hatte, hart für den vierten Platz kämpfen. Die Hoffnungen auf eine Medaille hatte ich da schon fast aufgegeben, weil ich nicht damit rechnete, ein so hohes Tempo über alle Massendisziplinen durchzuhalten.
 Doch schon am Abend beim Ausscheidungsfahren war ich es dann, die den anderen mit einem hohen Tempo das Leben schwer machte. Lediglich die Französin, die das Risiko einging sich einbauen zu lassen und somit die Körner für den finalen Sprint sparte, die ich durch das Fahren an der Spitze des Feldes aufgebraucht hatte, musste ich am Schluss noch vorbei lassen. So lag ich also nach dem ersten Tag mit einem Punkt Rückstand auf Platz 2 hinter der Französin mit dem Wissen, dass die nächste Disziplin, die Einerverfolgung nicht ihre Stärke war.


Der Sonntag wird noch einmal spannend

Omnium (Foto: John Hewat)Omnium (Foto: John Hewat)

Am Sonntagmorgen hatte ich bereits auf der Rolle schwere Beine. Aus diesem Grund beschloss ich, die Einerverfolgung nicht zu schnell anzugehen, damit ich hinten raus nicht zu stark einging. Letztendlich fuhr ich dann eine Zeit von 2:30 min, was den dritten Platz bedeutete. Eine Sekunde schneller wäre möglich gewesen, aber unter diesen Umständen galt Sicherheit vor Risiko.
 Da ich nun mit einem kleinen Polster an Vorsprung in das Scratch startete, stieg meine Angst an, ich könnte durch einen kleinen Fehler die Chance auf meine erste Weltmeisterschaft vergeuden. Doch entgegen allen Befürchtungen setzte ich die Anweisungen des Bundestrainers um und behauptete meinen Vorsprung von vier Punkten bis zur abschließenden Disziplin, dem 500 Meter Zeitfahren.
 Jetzt stieg meine Anspannung ins Unermessliche und ich kämpfte nicht nur gegen die Zeit, sondern vor dem Start auch gegen durch die Aufregung bedingten Schwindel. Ich wusste, dass bei dieser Disziplin jede Umdrehung zählte und legte meine ganze Kraft noch einmal in die letzten zwei Runden dieser Weltmeisterschaft.

Nach Überqueren der Ziellinie ging mein Blick sofort zur Anzeigetafel und dann gab es nur noch Eines: Die ganze Anspannung der letzten Tage, Wochen und Monate herausschreien und die Ehrenrunde genießen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, die Deutschland-Fahne in Empfang zu nehmen und sich von einem ganzen Stadion feiern zu lassen

Am Sonntag geht der Alltag aber schon wieder los, beim Heimrennen in Weißenburg. Wer mich also mal live in Aktion sehen will, darf gerne vorbei kommen. Ich würde mich freuen, wenn die Weißenburger Altstadt voll ist!


Omnium

Es ist unfassbar, ich kann es noch gar nicht glauben - Ein Traum ist in Erfüllung gegangen.

Im Live-Bericht der Veranstaltung steht als Beispiel der sagenhaften Vorstellung:."Germany’s Anna Knauer set a grueling pace at the front of the group and, one by one, the rest of the field slipped away"


Mannschaftsverfolgung

Glasgow, 8. August 2013

Heute war auch endlich für mich Startschuss zur WM. Obwohl ich im Vorfeld eigentlich sehr entspannt in Richtung Mannschaftsverfolgung geschaut hatte, war ich, je näher der Start heranrückte, immer nervöser und verwandelte mich in den letzten 10 Minuten zum richtigen Nervenbündel. Das konnte ich aber zum Glück sehr gut verstecken um meine Teamkolleginnen nicht unnötig zu beunruhigen. 
Das Rennen an sich lief vor allem auf den ersten 2000 Metern sehr gut.  Mit dem fünften Platz können wir ganz zufrieden sein – gewonnen hat Great Britain vor Russland und Australien.

Meine Anfahrtszeit war die zweitschnellste des ganzen Wettbewerbs, was mich natürlich für die Einerverfolgung morgen und die 500 Meter im Omnium hoffen lässt. Jetzt heißt’s erst mal Beine hochlegen, damit sie morgen Mittag auch wieder schön ihre Arbeit leisten ;-) Drückt mir die Daumen!


Der Countdown läuft zur WM Bahn in Glasgow

Schön langsam wird’s spannend. Die letzten Nominierungsfragen sind geklärt, ins Hotel ziehen immer mehr Nationen ein und die Nervosität steigt von Tag zu Tag.

Gestern war aber ein Tag, den ich am besten aus meinem Gedächtnis streichen würde. Schon in der Früh beim Aufwachen war ich nervös und als dann ich dann im Training auch noch ein paar Fehler gemacht hab, waren meine Stimmung und vor allem mein Selbstvertrauen ziemlich am Ende. Zum Glück gibt’s da aber Freunde, Familie und auch die Trainer, die einen dann wieder aufbauen und einem ein klein bisschen von dem Druck abnehmen, der auf einem lastet. Wer mich aber kennt, weiß, dass ich mir diesen Druck zum Großteil selbst mache und es daher schwer ist, locker zu bleiben.


Heute beginnt die Ruhephase vor den Meisterschaften. 1,5 Stunden Grundlage im unteren Pulsbereich sollen den Körper darauf einstellen, dass er in ein paar Tagen das Maximum an Leistung bringen soll. Für mich heißt das mindestens eine Medaille – welche Farbe ist mir egal. Ich will nur nicht mit leeren Händen nach Hause fliegen. Die größten Chancen habe ich da wahrscheinlich in der Einerverfolgung (Freitag) und im Omnium (Samstag / Sonntag). Davor steht aber noch die Mannschaftsverfolgung (Donnerstag) auf dem Plan. Ein Platz unter den ersten sechs ist realistisch. Aber wer weiß, vielleicht gelingt uns hier ja noch eine Überraschung – ich hätte nichts dagegen ;-)

Heute Nachmittag werden wir vielleicht noch einmal mit einem britischen Taxi in die Stadt fahren und uns ein bisschen in Glasgow umsehen. Ich hab ja dann Dienstag und Mittwoch noch zwei Tage zum Beine hochlegen.