Logo Anna Knauer

WM Straße in Florenz


fluchtgruppe---demydova-ukr---knauer-d.jpg

fluchtgruppe---iakovenko-rus---demydova-ukr---knauer-d.jpg

letzte-kraefte-mobilisieren-und-wieder-heranfahren.jpg

anna-muss-abreissen-lassen-alle-hoffnungen-sind-dahin.jpg

anna1.jpg

Auch meine zweite Straßen-WM war enttäuschend. Auch wenn ich mir vor der Abreise keine festen Ziele gesteckt hatte, weil mir der internationale Vergleich auf der Straße gefehlt hatte, spiegelten die Ergebnisse nicht das wieder, zu was ich in der Lage war.

Über den 23. Platz beim Zeitfahren gibt es nicht mehr zu sagen, als das, was ich bereits gesagt habe. Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass mir in diesem Jahr die Kraft für die langen Distanzen fehlt und das zeigt sich auf einer solchen Strecke schnell. Da gewinnt man nicht mit einer möglichst hohen Frequenz, wie ich sie gerne bei Zeitfahren fahre, sondern mit einem möglichst großen Gang. Das Zeitfahren konnte ich aber zum Glück recht schnell abhaken und mich mit Vorfreude und unheimlich großer Motivation auf das Straßenrennen vorbereiten.

Während ich bei der Vorbelastung am ersten Anstieg noch bewusst von meinen Teamkolleginnen abreißen ließ, konnte ich an den beiden folgenden Anstiegen und meinen Belastungseinheiten bereits erahnen, dass ich am nächsten Tag durchaus bei den Besten mitfahren könnte.

Der Rennverlauf gestaltete sich dann aber mehr als kurios. Nachdem alle großen Nationen, wie wir auch, die Anweisung bekommen hatten, das Rennen wegen der langen Distanz und der schweren Strecke eher ruhig angehen zu lassen, glichen die ersten vier bergauf-Kilometer eher einem Belauern als einem WM-Rennen. Vom Training wusste ich, dass die folgende Abfahrt sehr technisch war und einigen Mädels durchaus Schwierigkeiten bereiten dürfte. Ich hatte mir also vorgenommen, als erste in die Abfahrt zu gehen und konnte dies mit einem kurzen Antritt am Ende des Berges auch umsetzen. Meine einzige Hoffnung war hier, dass vielleicht ein paar gute Fahrerinnen, die sich am Anfang zu weit hinten im Feld aufgehalten hatten, durch schlechte Abfahrerinnen vor ihnen den Anschluss an das Feld verlieren und somit schon auf der ersten Runde unnötige Körner verschießen würden. Dass die Abfahrtskünste meiner Gegnerinnen so begrenzt waren, dass ich nach der Abfahrt nur noch eine Begleiterin und bereits 20 Sekunden Vorsprung hatte, war mir im Vorfeld nicht bewusst.

Wir zwei wussten aber auch, dass wir nichts überstürzen durften und kurbelten mit einem hohen Tempo, aber niedriger Belastung auf die Hölle dieser Strecke zu: ein ca. 600 Meter langer, bis zu 19% steiler Anstieg, der mir bereits im Training Schmerzen zugefügt hatte. Doch auch hier konnte das Feld die Lücke nicht schließen, sondern der Vorsprung wuchs sogar auf 40 Sekunden an. Einzig die sehr starke Russin Iakovenko konnte zur Ukrainerin und mir aufschließen. Hinter uns bildete sich am gleichen Anstieg ein dänisch-kolumbianisches Verfolgerduo, das sich ebenfalls vom Hauptfeld lösen konnte. Dieses Duo holte uns in der dritten Runde ein und mit 2:35 Minuten Vorsprung fuhren wir nun als fünfköpfige Spitzengruppe wieder in den 4,5 Kilometer langen Berg hinein. 1,5 Kilometer vor der Kuppe kam ich aber zum ersten Mal richtig in Schwierigkeiten und verlor den Kontakt zu meinen Begleiterinnen. In einem gleichmäßigen Tempo versuchte ich den Abstand nicht zu groß werden zu lassen, um in der Abfahrt wieder aufholen zu können. Dies gelang mir glücklicherweise noch ziemlich zu Beginn der Abfahrt, sodass ich wieder Kräfte sparen konnte. Doch schon ein paar Kilometer später, an der steilen Rampe konnte ich den anderen erneut nicht folgen und die kräftezehrende Verfolgungsjagd begann erneut.

Wieder am 4,5 Kilometer langen Anstieg angekommen, musste ich wie schon in der Runde zuvor im letzten Drittel des Anstiegs abreißen lassen. Ich versuchte zwar, das Loch wieder in der Abfahrt zu schließen, doch diesmal war der Rückstand schon zu groß. Ich hoffte nun, das Rennen als Fünfte noch beenden zu können und kämpfte mich alleine und mit unheimlichen Schmerzen über die steile Wand. Leider nutzte die ganze Quälerei nichts mehr, denn in der fünften Runde zu Beginn des langen Anstiegs flog zuerst das noch 19-köpfige „Hauptfeld“ an mir vorbei und danach immer mehr kleine Gruppen, denen ich nicht einmal mehr ansatzweise folgen konnte. Mit Tränen der Enttäuschung und allerletzter Kraft kämpfte ich mich die letzten 15 Kilometer bis ins Ziel und verkroch mich dort so schnell wie möglich im Mannschaftsbus.

Dort befand ich mich, wie auch jetzt noch immer, in einem Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite steht die Enttäuschung über die verpasste Top-Platzierung (denn meine ursprüngliche Gruppe konnte einen Vorsprung von gut 30 Sekunden ins Ziel retten und machte die Medaillenvergabe unter sich aus) und auf der anderen Seite das Wissen, welche Leistung ich an den Tag gelegt habe. Nach den vielen lernbedingten Trainingsausfällen in diesem Winter und Frühjahr ist allein die Besetzung der Spitzengruppe ein Erfolg und zeigt, dass ich auch auf der Straße zu den Besten der Welt gehören kann. Außerdem weiß ich, dass ich wieder in der Lage bin, mich bis zum Umfallen zu „quälen“. Die Nacht nach dem Rennen war nämlich mit derartigen Muskelschmerzen verbunden, die ich noch nie zuvor erlebt habe. Anders gesagt: Jetzt weiß ich, wie viele Muskeln mein Körper hat und wo sie überall weh tun können.. ;-)

Ich kann also doch ein positives Fazit ziehen und weiß, dass ich mit dieser Fähigkeit, mich zu quälen und einem deutlichen Anstieg meiner Trainingskilometer hoffentlich auch bei den Frauen im nächsten Jahr das ein oder andere Erfolgserlebnis als Helferin erzielen kann. In welchem Team wird sich in den nächsten Tagen bzw. Wochen herausstellen, aber mein Auftreten bei der WM war sicherlich noch mal ein gutes Argument. Damit ist nun meine Zeit im Nachwuchsbereich zu Ende, aber wie gerade schon erwähnt warten neue Aufgaben auf mich und es soll ja nicht langweilig werden.. ;-)

mehr zum Rennverlauf

Donnerstag, 26. September

Am Tag vor der Weltmeisterschaft Straße auf der abgesperrten Strecke die Vorbelastung fahren ist ein cooles Gefühl. Alle Mannschaften nutzen das freie Training, viele, viele „Hobbies“ befinden sich im Windschatten der Profis. Da ist es möglich, neben einem Cancellara oder neben John Degenkolb die Runde zu drehen.
Ich bin rundum zufrieden mit meinen Belastungseinheiten. Die Beine fühlen sich gut an und ich bin gut drauf. Heute hat es richtig Spaß gemacht. Sogar Papa hab ich auf der Strecke getroffen. Der hat an der schwersten Rampe richtig schlecht gegen mich ausgesehen, hi, hi.

Jetzt noch gut essen, ausspannen und morgen auf mich zu kommen lassen.

Jetzt geht es wieder besser. Heute bin ich mit Luisa Kattinger, Elke Gebhardt (Argos-Shimano) und Lisa Brennauer (Specialized-Lululemon) zwei Stunden Regeneration gefahren. Weil unsere Räder auf dem Heimweg schlapp gemacht haben, haben wir eine kleine "Pause" eingelegt.

Dass Toni Martin am Nachmittag auch noch seinen Titel verteidigt hat und souverän Weltmeister wurde war die Krönung eines tollen Tages.

zielbogen.jpg

Den Bogen auf dem Bild werde ich am Freitag fünf Mal sehen und dann hoffentlich mit meiner Leistung zufrieden sein, ich werde alles dafür geben.


Einzelzeitfahren

"Satz mit X - war wohl wieder nichts" - Das habe ich auf Facebook gepostet. Ich bin total enttäuscht. Noch bei der Streckenbesichtigung bin ich mit Begeisterung durch Florenz, direkt an der Kathedrale vorbei, gefahren. Jetzt sitze ich da und weiß nicht, was passiert ist. Rang 23, das ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.